Aktuelles
Inhalte der Dekade
Akteure
Materialien
Materialempfehlung
Grundlagen
Kultur des Friedens
Gewaltfreie konstruktive Konfliktbearbeitung
Projekte
Forum
Impressum
Home
   

OeRK Beschluss 1999

OeRK Zentralausschuss 1999
Oekumenischer Rat der Kirchen
Zentralausschuss Dokument Nr. I&T 3
Genf, Schweiz
26. August - 3. September 1999

Dekade zur Überwindung von Gewalt

Kirchen auf der Suche nach Versöhnung und Frieden

Botschaft des Zentralausschusses des Ökumenischen Rates der Kirchen (1999)

Suche Frieden und jage ihm nach!
(Psalm 34, 15)

Als Antwort auf den Aufruf der Achten Vollversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen leiten wir eine Dekade zur Überwindung von Gewalt ein, die sich auf die Jahre 2001-2010 erstreckt, und laden Kirchen, ökumenische Gruppen, einzelne Christinnen und Christen sowie Menschen guten Willens dazu ein sich an dieser Dekade zu beteiligen.

Am Ende des gewaltträchtigsten Jahrhunderts in der Geschichte der Menschheit sind wir zur ersten Tagung des Zentralausschuss nach der Vollversammlung in Harare zusammengekommen. Wir sind der festen Überzeugung, dass die Kirchen aufgerufen sind, vor der Welt ein klares Zeugnis abzulegen von Frieden, Versöhnung und Gewaltlosigkeit, die auf Gerechtigkeit gründen.

Wir erinnern an die Heiligen und Märtyrer, die bis an den heutigen Tag als Zeugen Gottes gegen die Mächte der Gewalt, der Zerstörung und des Krieges ihr Leben hingeben. Wir erinnern an das Zeugnis all der Menschen, die in ihren Gemeinschaften und darüber hinaus zu Zeichen der Hoffnung wurden und die Wege aus der tödlichen Spirale der Gewalt eröffneten. Als Vertreter und Vertreterinnen der Mitgliedskirchen des Ökumenischen Rates der Kirchen sind wir erfüllt von der Botschaft des Evangeliums vom Frieden Christi, von Liebe und Versöhnung und von der reichen biblischen Tradition des Friedens in Gerechtigkeit. Gottes Verheissung von Leben und Frieden für die ganze Menschheit und Schöpfung fordert von uns als Einzelnen und als Gemeinschaften des Glaubens, dass wir unser Leben in Übereinstimmung bringen mit unserem Glauben.

Wir sind uns aber auch bewusst, dass Christen und Kirchen durch Worte und Taten ihr Teil dazu beigetragen haben, dass Gewalt und Ungerechtigkeit in einer Welt der Unterdrückung und des gnadenlosen Wettbewerbs zugenommen haben. Wir sehnen uns nach einer Gemeinschaft für die Menschen, in der niemand ausgeschlossen wird und jeder ein menschenwürdiges Leben in Frieden leben kann. Wenn wir uns aktiv dafür einsetzen, eine Kultur des Friedens aufzubauen, wissen wir, dass wir uns auf einen tiefgreifenden Prozess des Wandels einlassen müssen, angefangen mit Buße und mit einer erneuerten Verpflichtung auf die Quellen unseres Glaubens.

Wir müssen aufhören, reine Zuschauer der Gewalt zu sein oder sie lediglich zu beklagen. Wir müssen uns aktiv um ihre Überwindung sowohl innerhalb als auch ausserhalb der Kirchenmauern bemühen. Wir erinnern uns und unsere Kirchen an unsere gemeinsame Verantwortung, mutig unsere Stimme gegen jeden Versuch zu erheben, ungerechte und repressive Strukturen, Rassismus, Gewaltanwendung, insbesondere gegen Frauen und Kinder, und andere grobe Menschenrechtsverletzungen, die im Namen einer Nation oder einer ethnischen Gruppe begangen werden, zu verteidigen. Wenn die Kirchen ihr Zeugnis von Frieden und Versöhnung nicht mit dem Streben nach Einheit untereinander verbinden, dann versagen sie in ihrer Mission an der Welt. Indem wir hinter uns lassen, was uns voneinander trennt, indem wir ökumenisch auf die Herausforderungen antworten und beweisen, dass Gewaltlosigkeit ein aktiver Beitrag zur Konfliktlösung ist, und indem wir in aller Demut anbieten, was Jesus Christus seine Jünger gelehrt hat, können wir als Kirchen der von Gewalt erschütterten Welt eine einzigartige Botschft bringen.

Es gibt bereits eine Reihe von positiven und ermutigenden Beispielen in Gemeinden und Kirchen auf der ganzen Welt. Wir erkennen an, dass die monastischen Traditionen und die "historischen Friedenskirchen" beständig Zeugnis abgelegt haben, und wir zählen auch jetzt auf ihren Beitrag zur Dekade. Einige Gemeinden und Kirchen fördern bereits intensiv die Reflexion und das Einüben von Gewaltlosigkeit in ihrem jeweiligen Kontext. Sie beweisen genau den Mut, die Fähigkeiten und die Kreativität, die für aktive Gewaltlosigkeit und gewaltlosen Widerstand erforderlich sind. Sie sind sensibilisiert für die Zerstörung der Umwelt und konzentrieren sich auf die Lage der schwächsten Gruppen der Gesellschaft. Zum Aufbau einer Kultur des Friedens gehört auch, dass wir den Geschichten derer zuhören, die die Hauptopfer von Gewalt sind, wie Arme, Frauen, Jugendliche und Kinder, Behinderte und Urvölker.

Es gibt die Menschen, die uns durch ihr Beispiel zeigen, dass Präsenz in Situationen der Gewalt, auf den Strassen und in Kriegsgebieten, dass die aktive Auseinandersetzung mit den Opfern und mit den Gewalttätern der eigentliche Schlüssel zu jeglichem Prozess der Verwandlung und Veränderung ist. Vor Harare haben das ÖRK-Programm zur Überwindung von Gewalt und die Kampagne "Friede für die Stadt" gezeigt: Frieden ist machbar, Frieden wächst von unten und gedeiht durch die Kreativität der Menschen. Sie arbeiten auf lokaler Ebene mit der Zivilgesellschaft zusammen und engagieren sich im Dialog und im gemeinsamen Handeln mit Menschen anderen Glaubens. Die Gruppen in den sieben Städten, die and der Kampagne beteiligt waren, haben sich gegenseitig gestützt und ermutigt, ihre Erfahrungen in unterschiedlichen Kontexten miteinander ausgetauscht und neue Erkenntnisse aus der Reflexion und dem Meinungsaustausch auf weltweiter Ebene gewonnen.

Die Dekade zur Überwindung von Gewalt wird ein Forum bieten, auf dem Geschichten und Erfahrungen ausgetauscht und Beziehungen hergestellt werden und auf dem wir voneinander lernen können. Die Dekade wird auf den Initiativen aufbauen, die bereits existieren. Wir sind uns bewusst, dass unsere Arbeit parallel zur Arbeit der Vereinten Nationen im Rahmen der "Dekade für eine Kultur des Friedens und der Gewaltlosigkeit für die Kinder der Welt" verläuft. Wir hoffen, Verbindungen zu solchen Initiativen herzustellen und dazu beizutragen, dass sie sich gegenseitig motivieren und stärken. Die Dekade zur Überwindung von Gewalt wird es den Kirchen leichter machen, einander in ihrem Dienst zu helfen und beizustehen. Mit der Dekade zur Überwindung von Gewalt bieten wir einen wahrhaft ökumenischen Raum an, einen sicheren Raum für Begegnung, gegenseitige Anerkennung und gemeinsames Handeln. Wir wollen gemeinsam danach streben, Geist, Logik und Praxis der Gewalt zu überwinden. Wir wollen zusammenarbeiten, um Versöhnung und Frieden in Gerechtigkeit in unsere Häuser, Kirchen und Gemeinschaften zu tragen wie auch in die politischen, sozialen und wirtschaftlichen Strukturen auf nationaler und internationaler Ebene. Wir wollen zusammen eine Kultur des Friedens aufbauen, die sich auf gerechte und bestandfähige Gemeinschaften stützt.

Die Vision, die uns das Evangelium vom Frieden bringt, ist eine Quelle der Hoffnung auf Veränderung und Neuanfang. Lasst uns nicht verraten, was uns geschenkt worden ist. Menschen auf der ganzen Welt warten ungeduldig und sehnsüchtig darauf, dass Christen und Christinnen werden, was sie sind: Kinder Gottes, die die Botschaft von Liebe, Frieden in Gerechtigkeit und Versöhnung verkörpern.

Frieden ist möglich. Frieden ist machbar. Suche Frieden und jage ihm nach.

Selig sind die Friedfertigen, denn sie werden Gottes Kinder heissen.
(Matthäus 5.9)


zurück / höhere Ebene


powered by <wdss>

© 2011 by Stiftung Oekumene | eMail: ECUNET@t-online.de | Druckversion

nach oben