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"Wortmeldung" des Oekumenisches Netzes in Deutschland: Der Konziliare Prozess für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung gehört vorrangig auf die Agenda von Sibiu

Der Konziliare Prozess für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung ist wichtiger denn je – Seine Schwerpunkte und Zuspitzungen gehören auf die Agenda der Dritten Oekumenischen Europäischen Versammlung 2007 in Sibiu

Am 28.10.2006 nahm das Ökumenische Netz in Deutschland (OeNiD) nach einer knapp einjährigen Konstituierungsphase mit der Verständigung auf eine gemeinsame inhaltliche Plattform und künftige Aktivitätsschwerpunkte seine Arbeit auf. Das OeNiD versteht sich als selbst gewählte Kooperations- und Koordinationsebene ökumenischer Gruppen, regionaler Netzwerke und bundesweit arbeitender Organisationen, die in der Gesellschaft und in den Kirchen Deutschlands für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung arbeiten. Es ist kein Organ einer Kirche, sondern ein Zusammenschluss, der sich als Teil der Kirche und zugleich als Gegenüber zu den institutionellen Formen von Kirche versteht.

 

Laut Beschluss der konstituierenden OeNiD-Versammlung in Mannheim (28./29.10.06) mit 33 Vertreterinnen und Vertretern der u.g. ökumenischen Organisationen und Netzwerke soll das OeNiD in Zukunft schwerpunktmäßig

- Koordinierungsaufgaben zur kooperativen Weiterführung und Neubelebung des Konziliaren Prozesses für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung übernehmen,

- die Meinungsbildung unter den beteiligten Netzwerken und Organisationen befördern,

- konkrete Projekte, Initiativen und gemeinsame Stellungnahmen auf den Weg bringen,

- die Stimme(n) der Basisökumene hörbar machen und

- einen Diskurs mit Kirchenleitungen und Öffentlichkeit führen.

 

Mit Blick auf die bevorstehende 3. Europäische Oekumenische Versammlung (EOeV) in Sibiu stellt das OeNiD mit großer Besorgnis fest, dass den aktuellen thematischen Herausforderungen, die sich im Horizont von Gerechtigkeit, Frieden und der Bewahrung der Schöpfung stellen, auf der Agenda von Sibiu nur eine nachrangige Bedeutung zukommt. Dies liegt nicht zuletzt daran, dass die bis zur 2. EÖV 1997 in Graz und dort selbst gefassten Beschlüsse nur unzureichend angepackt und umgesetzt worden sind.

 

Wir nennen beispielhaft:

 

- Die zahlreichen „Skandale und Verbrechen“, die auf der 1. EOeV 1989 in Basel im Blick auf die Gerechtigkeitsfrage weltweit wahrgenommen worden sind, sowie die „tieferen Wurzeln der gegenwärtigen Krise“ und „versteckten Ideologien“, die der Oekumenische Rat der Kirchen auf seiner Vollversammlung in Canberra 1991 thematisiert hat, wurden nicht hinreichend offensiv und mutig genug bearbeitet.

- „Gemeinsame geistliche Erfahrungen mit den ökumenischen Initiativen“ und die „Einübung einer spirituellen Grundhaltung, die den unbedingten Respekt vor der Freiheit des Gewissens mit der Freude am Reichtum des christlichen Glaubens verbindet“ (2. EOeV 1997 Graz, Handlungsempfehlung B10), wurden vernachlässigt.

- Die „destruktive Dynamik, die im Missbrauch der Schöpfung liegt und Hilflosigkeit, Gefühllosigkeit oder auch Zynismus hervorruft“ (Graz A18 und A 19), wurde nicht konfliktbereit genug politisch thematisiert.

 

Im Prozess der 3. EOeV ist die ökumenische Basis nur in völlig unzureichender und ungeregelter Form in die Lage versetzt worden, sich an der Erarbeitung von Weichenstellungen zu beteiligen – was einen markanten Rückschritt selbst noch gegenüber dem darstellt, was z.B. das „Oekumenische Dorf“ in Graz 1997 an Begegnung, Austausch, Meinungsbildung und Verabredungen ermöglicht hat.

 

Für bedeutsam halten wir: Der Oekumenische Rat der Kirchen hat im Jahr 1998 zwei wichtige Prozesse angestoßen: den so genannten AGAPE-Prozess für eine „Wirtschaft im Dienst des Lebens“ sowie die Dekade zur Überwindung von Gewalt. Beide Prozesse sind in heutiger Zeit aktueller denn je. Diese Einsicht unterstrich zuletzt die Freisinger Konsultation der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland vom April 2005, indem sie den Kirchen und der ökumenischen Basis die inhaltliche Zusammenschau und integrierte Bearbeitung der Themen Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung empfahl. Deshalb sind wir der Überzeugung, dass im Hinblick auf die 3. EOeV die damit verbundenen Anliegen wieder sichtbar in den Rahmen und die Dynamik des Konziliaren Prozesses zu integrieren sind. Wir empfehlen ferner, sich dem Agenda 21-Prozess anzuschließen und diesen z.B. in Bündnissen lokaler Oekumene mit dem Konziliaren Prozess zu verbinden (Beschluss von Graz).

 

Christinnen, Christen und ihre Kirchen sollten sich in Treue zum Evangelium folgendes zueigen machen:

- Mit Blick auf den AGAPE-Prozess: Ihre prophetische Rolle angesichts der Herausforderungen der Globalisierung.

- Mit Blick auf die Dekade zur Überwindung von Gewalt: Förderung gewaltfreier Konfliktlösungen (EU-Verfassung!).

- Mit Blick auf den Konziliaren Prozess insgesamt: Hier gilt es, in die – im gesellschaftlichen Raum betriebene – Nachhaltigkeitsstrategie unsere Vorstellungen einer nachhaltigen Entwicklung (siehe z.B. Erd-Charta) einzubringen.

 

Die globalen wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Entwicklungen in den Jahren nach der 2. EOeV in Graz machen es erforderlich, dass innerhalb dieser drei Themenfelder im Rahmen der Neubelebung des Konziliaren Prozesses klare und verbindliche Aussagen zu folgenden Themenkreisen getroffen werden:

- Dominanz eines einseitig ökonomischen Denkens und Handelns,

- imperiale Durchsetzung der wirtschaftlichen Interessen der Global Player mit Gewalt und Kriegen,

- Ökologische Bedrohungen / Klimawandel – siehe die neuen Studien aus London und der DBK, 

- Armut / Reichtum (z.B. greed line-Diskussion),

- Verelendung bei uns und tägliches Sterben in vielen Ländern aufgrund struktureller Ungerechtigkeiten,

- Ausbeutung und Diskriminierung von Minderheiten und sozial Schwachen sowie

- Vernachlässigung des Aufbaus einer Kultur der Befreiung jenseits von Rassismus und Sexismus.

 

Wir fordern Kirchenleitungen ebenso wie Christinnen und Christen dazu auf, den Konziliaren Prozess aktiv und vorausschauend zu unterstützen und bitten darum, die genannten Schlüsselthemen in der öffentlichen Debatte, in den kirchlichen Leitungsentscheidungen und als Delegierte für die 3. EOeV aufzugreifen sowie bei den Beschlüssen in Loccum und Sibiu mit den fälligen Forderungen an prominenter Stelle einzubringen.

 

Bad Hersfeld, im November 2006

 

 



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